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250 Jahre Goldstadt

Foto: Martin Glauner

 

Eine Stadt feiert: 2017 wird die Schmuck- und Uhrenindustrie Pforzheims 250 Jahre alt. Anlass für einen Blick an den Rand des Schwarzwalds, wo immer noch Großes geschieht – wenn auch oft im Verborgenen.

Wo ist hier denn eigentlich das Gold? Ein bisschen mehr Glanz und Glamour könnte man schon erwarten, wenn man den Ort besucht, der sich als die deutsche „Goldstadt“ tituliert. Aber das würde nicht der Mentalität der Pforzheimer entsprechen: Sind sie doch strebsam und eifrig, bei der ersten Begegnung eher bescheiden und mit ihrem unverwechselbaren badischen Idiom herrlich bodenständig. 

Dabei bekommt zumindest der Zug-reisende Gold zu sehen, wenn er nach Pforzheim gelangt. Am Bahnhof – heute als hochwertiges Beispiel der 50er-Jahre-Architektur gewürdigt – funkeln goldene Einsprengsel und goldfarbene Rahmen an der Glasfassade. Eine Reminiszenz des Erbauers an die Geschichte der Stadt. Ohnehin findet sich viel Architektur der 50er-Jahre in Pforzheim, das nach dem Zweiten Weltkrieg fast komplett wieder neu aufgebaut werden musste. Bei einem schweren Bombenangriff im Februar 1945 waren rund 80 Prozent aller Gebäude zerstört worden. 

Doch nicht alles, was neu erbaut wurde, ist so schön geworden wie der Bahnhof von Architekt Helmuth Conradi oder das Reuchlin-Haus, das nach Plänen von Manfred Lehmbruck Maßstäbe für den modernen Museumsbau setzte. Hier zeigt das Schmuckmuseum Pforzheim seine Exponate, blickt zurück auf die Geschichte von Schmuck und auf die „schmucke“ Stadthistorie, die 1767 begann. Damals ließ Markgraf Karl-Friedrich von Baden im Pforzheimer Waisenhaus eine Uhren- und Schmuckmanufaktur gründen, um Beschäftigung und Prosperität in seine Markgrafschaft zu holen. Die Fertigung von Schmuck und Uhren wurde in der Stadt heimisch und Pforzheim entwickelte sich ab Ende des 19. Jahrhunderts sowie in der Wirtschaftswunderzeit zum deutschen Schmuckzentrum. Auch das Zentrum deutscher Uhrenherstellung lag viele Jahre in Pforzheim.

Doch diese sorgenfreie Ära ist Vergangenheit. Zuerst waren es massenweise produzierte Quarzuhren in den 70er-Jahren, welche den Uhrenfirmen schwer zu schaffen machten. Dann folgte billiger Schmuck aus Fernost, der die traditionsreichen Hersteller plagte. 

Und dennoch gibt es Unternehmen, denen die Bewältigung der Krise gelang. Wer beispielsweise rechtzeitig eine Marke aufbaute oder ins Premiumsegment wechselte, bewies einen guten Instinkt. Bis heute lautet das Erfolgsrezept, noch besser, individueller sowie gestalterisch und handwerklich perfekter zu sein als die weltweite Konkurrenz. 

Verstanden hat dies zum Beispiel die Schmuckmanufaktur Wellendorff, die rund um ihre Kollektion eine eigene Welt geschaffen hat, in der Gold so weich ist wie Seide und spielerisch drehbare Ringe von einzigartiger Farbigkeit sind. Oder aber die Kettenmanufaktur IsabelleFa, die handgearbeitete Ketten auf so hohem Niveau fertigt, dass selbst der Laie ihre besondere Ausstrahlung erkennt. Sogar die Weltmarke Chopard hat ihre Wurzeln in der Goldstadt: Schließlich waren es die gebürtigen Pforzheimer Karin und Karl Scheufele, die ihr bis heute in dem Vorort Birkenfeld ansässiges Unternehmen um ein Atelier in der Schweiz erweiterten, indem sie die kleine Uhrenwerkstatt Chopard samt wohlklingendem Namen kauften, um sie zu einer Weltmarke aufzubauen. Nach wie vor hat Pforzheim daran Anteil: In der Firma Karl Scheufele in Birkenfeld werden viele Schmuckstücke für Chopard von Hand gefertigt. 

Die jahrhundertelange Beschäftigung mit Schmuck hat aber auch ganz neue, innovative Unternehmen hervorgebracht: Die Firmengruppe Witzenmann mit ihren weltweit 4000 Mitarbeitern entwickelte sich zum Beispiel aus der Idee, aus einer Schmuckkette einen Metallschlauch zu fertigen. Oder die Firma G. Rau, die früher Schmuckfirmen belieferte und inzwischen auf innovative Lösungen in Metall für die Medizintechnik spezialisiert ist.

Auch die Kreativität hat sich in den vergangenen 250 Jahren in Pforzheim entfaltet: Die Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Pforzheim zieht längst Studierende aus der ganzen Welt an. Sie  können hier den Entwurf von Schmuck erlernen, aber auch Fächer wie „Transportation Design“, „Mode“ oder „Visuelle Kommunikation“ studieren. So entsteht Stück für Stück ein neues Bild der Goldstadt. Und das ist so glanzvoll,  wie man es erwartet. 

Foto: DPA/Picture-Alliance

Die Top-Events

Mit mehr als 200 Veranstaltungen an über 30 Locations zelebriert Pforzheim samt Umgebung 2017 das Jubiläumsfestival. Neben einer großen Eröffnungsgala am 12. und 13.5.2017 mit innovativen Shows rund um Schmuck und Uhren sowie einem Auftritt von Weltstar José Carreras (Foto) locken ganzjährig Ausstellungen, Theaterevents, Konzerte und Feste. Schon seit dem 25.11. sehenswert: die Ausstellung „Mechanik en miniature – Armbanduhren der Luxusklasse“ und ab
dem 21.5.2017 die Ausstellung „Must-haves – Schmuck großer Juweliere“, beide im Schmuckmuseum Pforzheim im Reuchlinhaus. Ein weiteres Highlight ist die Wiedereröffnung des Technischen Museums der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie am 8.4.2017.

Weitere Infos: www.goldstadt250.de

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